Auf der diesjährigen E-World ist klar: Der Smart Meter kommt. Ein Rollout der intelligenten Zähler und Messsysteme soll in Deutschland 2017 beginnen. Alle Akteure – vom Stadtwerk über den Hardware-Lieferanten bis zum Gateway-Administrator und App-Entwickler – warten auf den Startschuss durch die Politik.

Was? Wie? Wer? – Energieversorger suchen Antworten auf Smart-Meter-Rollout

Neben den Plänen des Gesetzgebers zum Pflichteinbau der Smart Meter  bleiben für die Energieversorger (EVU) viele Fragen offen: Stimmige Positionierungsstrategien und Rollout-Szenarien müssen ausgearbeitet, Prozesse und IT-Systeme entwickelt und angepasst sowie Fragen des Datenmanagements, der Datensicherheit und Organisation beantwortet werden. Wie soll zum Beispiel die Zertifizierung der Gateway-Administratoren aussehen? Wer darf diese neue Marktrolle überhaupt einnehmen? Unsicherheit herrscht auch bei den verbindlichen Zähler-Mengen, die in fixen Zeiträumen umgebaut werden müssen etc.

Digitalisierung der Energiewirtschaft: Neue Geschäftsmodelle für Stadtwerke

Die zentralen Fragen für Stadtwerke lauten somit: Welche Rolle möchte ich in dem Transformationsprozess des Messstellenbetreibers (MSB) spielen? Welche Produkte und Dienstleistungen auf Basis des intelligenten Messsystems (iMS) möchte ich anbieten? Welches Partnering und welche Organisation ist dazu notwendig? Und welches Rollout-Szenario ist für uns am besten? Wagen wir den Schritt hin zum Verbund und einer gemeinsamen Gateway-Plattformisierung? Oder fahren wir besser, wenn wir die neuen Aufgaben im Full-Service an Dritte abgeben? Oder ist eine Lösung dazwischen für uns am besten geeignet?

Natürlich sind in jedem Modell Risiken vorhanden: In der Plattform-Ökonomie sind Stadtwerke eher unerfahren – die nötigen Prozesse und Kompetenzen sind kaum vorhanden. Das birgt die Gefahr, am finanziell eng gesteckten Rahmen des regulierten Pflichteinbaus zu scheitern. Ein Full-Service-Outsourcing verringert die potenzielle Wertschöpfung, verlagert das notwendige Management von Komplexität aber zu einem Dritten.

Der Energiemarkt mit Smart Meter: Wer wird welche Rolle übernehmen?

Trotz der offenen Fragen herrscht weitgehend Klarheit über die einzelnen Prozessschritte, die die Digitalisierung der Endkundenbeziehung erfordert:

  1. Einbau, Betrieb und Wartung der Zähler.
  2. Die Schaffung einer Plattform, die Daten vom Zähler abfragt, transferiert, speichert und zur Verfügung stellt (Gateway), beispielsweise zu Abrechnungszwecken.
  3. Die Interpretation und Verwertung der Daten und damit die Chance zur Entwicklung neuer, datenbasierte Produkte und Dienstleistungen, die dem Stromkunden mehrwertig angeboten werden.

Das bedeutet im Einzelnen:

  1. Einbau, Betrieb und Wartung der Zähler

Es mangelt nicht an Hardware-Dienstleistern, die Smart Meter in ihrem Produktportfolio anbieten. Das gilt auch für Software-Anbieter, die Daten ganz unterschiedlicher Zähler abfragen und weiterverarbeiten können – und zwar sowohl für den privaten wie den gewerblichen Kunden.
App-Entwicklungen, wie die von Pixolus, werben mit einer einfacheren, agileren und sicheren Ablese im Zuge des Zähler-Umbaus („Abtippen war gestern“) – auch als Whitelabel-Lösung für Stadtwerke. Für den Energieversorger eine gute Möglichkeit, Fehler zu vermeiden und seine Effizienz zu steigern – für den Privatkunden komfortabel.

  1. Das Gateway

Ähnlich wie bei den Zählern stellen sich eine Reihe von Unternehmen auf, Smart-Meter-Gateway-Administrationsdienstleistungen, oder aber die gesamte Wertschöpfungskette für einen MSB inklusive der EMT-Prozesse anzubieten. Unternehmen wie Voltaris bieten beispielsweise Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette im Smart-Meter-Rollout an: vom Geräte- bis zum Energiedaten-Management. Auch Datenbank-Experten wie Robotron stellen sich auf die neuen Herausforderungen aus dem Endkundengeschäft ein. Kundenportale und Smart-Home-Anbindungen sind ebenfalls im Portfolio, häufig gemeinsam mit weiteren Anbietern wie Greenpocket. Allen diesen Unternehmen ist gemein, dass sie keine Energieversorger sind.

Unter den Energieversorgern sind es vor allem die Großen, die selbst Plattformen entwickeln möchten. E.ON Metering ist eigens für den Zweck der Gateway-Administration gegründet worden. Mit der Stadtwerkeallianz Messwesen (SaM) möchte E.ON Metering neue Partnerschaften mit Stadtwerken eingehen. Das Ziel: Energieversorger verwalten ihre Zähleinheiten gemeinsam, nutzen Synergien und steigern so ihre Effizienz. Das Angebot von SaM umfasst den Rollout sowie den Betrieb der Smart Meter. Einige beratende Leistungen und Produkte sind kostenfrei – Rollout-Tests und der Betrieb der intelligenten Einheiten können hinzuerworben werden.

Als GWAdriga haben sich EWE, RheinEnergie und Westfalen Weser Netz zusammengetan, um die Gateway-Administration zu stemmen. Ähnliche Partnerschaften sind auch für Stadtwerke denkbar.

  1. Interpretation, Verwertung der Daten und Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistern

Wer auch immer am Ende die Gateway-Administration übernimmt: Es müssen völlig neue Kompetenzen in der Branche ausgebildet werden. Neben dem Datenbank-Management ist hier vor allem die sinnvolle Interpretation und konsequente Nutzung der gewonnenen Daten, gerade im Hinblick auf neue Produkte und Mehrwertdienste, gemeint.

Noch sind die mit Smart Meter verbundenen Leistungen bei der Bevölkerung nicht bekannt – Datenschutzdiskussionen prägen noch das Bild des neuen Spions im Haus. Deshalb ist die Entwicklung neuer Produkte mit erkennbarem Kundennutzen notwendig um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern. Theoretisch bieten sich beispielsweise die Nutzung von Flexibilitätsoptionen durch kurzfristigere Ausleserhythmen, Anwendungen im Smart Home sowie die Integration unterschiedlicher Consumer-Bereiche, wie etwa der Elektromobilität oder des Entertainments an – müssen praktisch jedoch erst einmal entwickelt und vertrieben werden.

Lösungen für diese neuen Herausforderungen setzen ein neues Kundenbild, neue Innovationskraft, kundenzentrierte Produktentwicklung – und je nach Rolle – neue Vertriebsstrukturen voraus. Wie das gelingen kann? Das möchten wir gerne in einem persönlichen Gespräch erörtern. Kontaktieren Sie uns!


 

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