Ein Gastbeitrag von Ralf Klöpfer, Vorstandsmitglied der MVV Energie AG

Die Energiebranche hat sich verändert. In einer Welt, die vom Konsumenten getrieben wird, genießt ein klassischer Versorger keine Glaubwürdigkeit mehr. Denn wenn Stromerzeugung zum Massenmarkt wird, können Kraftwerker einpacken.

Ralf Klöpfer ist seit Oktober 2013 Mitglied des Vorstands der MVV Energie AG.

Der Autor: Ralf Klöpfer ist seit Oktober 2013 Mitglied des Vorstands der MVV Energie AG.

Das ist die schlichte Erkenntnis aus den technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich immer deutlicher abzeichnen. Es handelt sich um nichts anderes, als um eine konsumgetriebene Innovationsperspektive, die zunehmend an Fahrt gewinnt. Naturgemäß kommen Politik und Wirtschaft mit derlei Strukturbrüchen schlecht zurecht, sie verstehen sich mehr aufs Bewahren. So manches Unternehmen ging unter, weil es zu lange am alten Geschäftsmodell festgehalten oder das neue verschlafen hat: Kein Fabrikant von Dampflokomotiven hat erfolgreich E-Loks gebaut. Das Eisenbahnsystem wurde als wichtigster Verkehrsträger vom Auto abgelöst. Und aktuell ist es nicht ausgeschlossen, dass sich diese Geschichte beim Übergang von Verbrennungs- zu Elektromotoren wiederholt. Was im Verkehrssektor in Etappen ablief, steht der Stromwirtschaft als ein dreifacher Bruch ins Haus: Investitionsgüter werden zu Konsumgütern, fossil wird erneuerbar und zentral wird dezentral.

Es geht um Energiemanagement, Treiber sind die Konsumenten

Je mehr die Kunden ihren eigenen Strom erzeugen, desto weniger tragen die alten Geschäftsmodelle. Desto heikler wird die Lage der Langsamen unter den Konzernen. Neue Geschäftsmodelle werden entstehen, in denen es immer weniger um Stromversorgung, und immer mehr um Energiemanagement geht – mit ganz neuen Anbietern, und die müssen nicht einmal aus der Energiebranche kommen. Wer den Sprung in die neue Welt nicht schafft, wird untergehen.

In der Dynamik hin zu den dezentralen Ökoenergien liegt ein Wesenszug unseres Wirtschaftssystems. Sind attraktive Technologien erst einmal für Konsumenten verfügbar, gibt es kein Halten mehr, gleichgültig, ob es sich um Autos, Flachbildschirme oder PV-Anlagen mit Batteriespeicher handelt. Sie wurden oder werden immer günstiger und verbreiten sich dadurch umso schneller.

Treiber sind die Konsumenten und Unternehmen, welche die neuen Kundenwünsche bedienen. Mehr noch, sie müssen in der Lage sein, mit neuen Angeboten ihre Kunden zu begeistern – eine in der alten Commodity-Welt kaum denkbare Vorstellung. Begeisterung könnte entstehen, wenn statt eines Abnehmerverhältnisses Autonomie oder gar Autarkie, wenn nicht sogar Überfluss statt Mangel und dessen Bewirtschaftung durch Energieeffizienz – wie bei der Digitalisierung – verkauft werden kann.

Abschied von der alten Stromwelt, die neue Aufgabe ist Stabilisierung

Die öffentliche Debatte um die Eon-Entscheidung rückt den zwangsläufigen Abschied von der alten Stromwelt in den Mittelpunkt. Wie bei allen Innovationen werden alte Technologien überflüssig und stillgelegt. Die wirkliche Aufgabe der Zukunft besteht aber darin, mit den vielen Prosumer und ihren Solardächern und Speichern ein stabiles System zu schmieden. Das erfordert Experimente. Und einen intensiven Dialog mit diesen Kunden.

Es steht daher auch eine Kultur zur Disposition, eine alte Welt, die von Redundanz, Fehlervermeidung und Sicherheit geprägt war. Diese wird abgelöst durch eine Kultur von vernetzten Partnerschaften auf Augenhöhe, in der Fehlertoleranz und Vertrauen Innovation fördert, und die mit den Kunden im Dialog steht.


 

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