Wenn wir Science-Fiction-Filme wie „Surrogates“ sehen oder Bücher wie „Der Circle“ lesen, ist das Gefühl zu Beginn oft vergleichbar: Wir gelangen in eine Welt, die unserer sehr ähnelt, aber wir wissen, dass irgendetwas anders ist. Dann erfahren wir von einer technischen Entwicklung und ihren gesellschaftlichen Folgen, sind fasziniert oder erschrocken, aber am Ende meistens doch überrascht, wie nah die Science-Fiction-Technik unserer Realität ist. Die Parallelwelt der „Surrogates“ und die totale Vernetzung in „Der Circle“ scheinen möglich, fast greifbar.

Die Energiebranche sitzt seit einigen Jahren im Kinosaal und betrachtet ihren eigenen Science-Fiction-Film. Der Klimawandel, die drückende Endlichkeit fossiler Energiequellen und lauter werdende gesellschaftliche Forderungen nach einem nachhaltigen Lebensstil veranlassten politische Entscheidungsträger, die Spielregeln des Marktes in kurzer Zeit neu zu schreiben. Der Blick auf die technologische Entwicklung zeigt: Vieles ist möglich. Erneute Anpassungen sind aufgrund der Entwicklungsdynamik notwendig.

Die Energiewende ist da und geht nicht mehr

Deutschland befindet sich in der Energiewende, weg von Atomkraft und Kohle, hin zu erneuerbaren Energien aus Wind-, Sonne- und Wasserkraft. Das bedeutet gleichzeitig den Abschied von einer linearen Produktions- und Verbrauchskette, und den Einstieg in volatile Energieträger – mit sehr viel komplexer planbarem Produktionseinsatz. Zentrale Großproduktionsstätten haben ihr Monopol verloren: Theoretisch kann jeder auf seinem Dach, im eigenen Garten oder im Keller Strom erzeugen. Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung ermöglichen heimische Kleinstkraftwerke, die auch noch Überschüsse ins Stromnetz einspeisen. Die technischen Herausforderungen liegen in der Infrastruktur: Netze und Speicher sind heute noch nicht dazu ausgelegt, dezentrale Produktion im notwendigen Umfang aufzunehmen oder starke Schwankungen über die verschiedenen Netzebenen auszugleichen. An vielen neuen Produktionsorten ist die Infrastruktur überhaupt noch nicht verfügbar.

Gleichzeitig entsprechen die klassischen Geschäftsmodelle der Energieversorger der neuen Realität nicht mehr. Energiekonsumenten waren bisher eine anonyme Masse aus Adressen und Abnahmestellen,  die ein homogenes Produkt über verschiedene Netzstufen bezog. Die Rolle eines Kunden für unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen, eines Geschäftspartners oder gar Produzent, vielleicht Mitbewerber, war für sie nicht vorgesehen.

Tiefgreifende Veränderungen brauchen eine angemessene Reaktion

Unternehmen der Energieversorgung erleben tiefgreifende Veränderungen, die ihre gesamte Wertschöpfungskette betreffen: Erzeugung, Handel, Netze und Distribution sowie Vertrieb. Sie werden in eine neue Rolle gedrängt: vom Energielieferanten zum Energiedienstleister oder Energiemanager, der nicht nur Commodity Produkte anbietet, sondern auch die unterschiedlichen Einspeiseorte, Bedarfsspitzen und -flauten dezentral organisieren, synchronisieren und managen soll. Für diese Energiedienstleister und -manager heißt der Auftrag: dezentrale Erzeugungsstrukturen aufbauen und mit zentralen Systemen verbinden, neue Geschäftsmodelle und Produkte für und mit Privat-, und Gewerbekunden sowie Kommunen entwickeln, in neuen Kundenbeziehungen denken und sich veränderten Wettbewerbsmustern stellen. Dazu brauchen sie neue Entwicklungs-, Dienstleistungs- und Servicekompetenzen – und neue Partner. Die finden sie in Branchen, mit denen Energielieferanten bisher kaum zusammengearbeitet haben: der Automation, der IKT, bei den Anlageherstellern sowie in Start-ups für intelligente Applikationen. Und Sie brauchen eine veränderte Innovationskultur!

Was ist nun zu tun? Das, was jedes Unternehmen in einem sich veränderten Markt tun muss: die Veränderung annehmen und angemessen reagieren. Wie? Damit beschäftige ich mich in diesem Blog und lade Sie herzlich ein, mit mir zu diskutieren!

Linktipps:

Case: Lastverschiebung in einer deutschen Siliziumfabrik

Wie marktfähig sind Lösungen zum Eigenverbrauch?

US-Bürger gegen Smart Meter

Ein Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu Smart Metering in Deutschland (11/2013)

Smart-Grid-Projekte in Europa, eine Studie der EU Kommission (2013)

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