Ein Gastbeitrag von Dr. Anna Pegels, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn.

Die Energiewende vollzieht sich in vielen einzelnen Schritten – sie ist vor allem auch ein Lernprozess. Dabei verfolgen wir mehrere Ziele: Zum einen wollen wir die Umwelt schonen, aber gleichzeitig wollen wir Jobs schaffen, uns auf dem Weltmarkt behaupten und innovativ sein – das alles zu vertretbaren Kosten. Ist uns das bisher gelungen? Schauen wir uns zwei erneuerbare Energieträger genauer an: Wind und Sonne.

Die folgende Grafik zeigt die Untersuchungsergebnisse einer aktuellen Studie. Verglichen werden Wind- und Solarenergie in gesamtwirtschaftlicher Hinsicht bezüglich der Faktoren Arbeitsplätze, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, und in ökologischer Hinsicht bezüglich der Vermeidung von CO2-Emissionen. Schließlich fließt die Höhe der Kosten für die Förderung mit ein.

Pegels/Lütkenhorst (2014): Wind- und Solarenergie in gesamtwirtschaftlicher Hinsicht bezüglich Arbeitsplätze, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft, der Vermeidung von CO2-Emissionen.

Fazit: Windkraft in allen untersuchten Dimensionen besser, aber Solar deshalb nicht falsch!

Das Ergebnis zeigt, dass (Onshore-)Windkraft in allen Bereichen die besseren Werte erzielt. Sie ist ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich- und zudem noch günstiger. Doch welchen Schluss ziehen wir nun daraus? Dass die Investitionen in Solarenergie falsch waren? Nein! Und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Ein guter Mix volatiler Energieträger braucht die Sonne. Sie kann zur Netzstabilität beitragen, wenn der Wind mal nicht weht.
  2. Die deutsche Solarindustrie steckt durch die chinesische Konkurrenz in der Krise. Deutsche Anlagenbauer machen aber mit dem chinesischen Solarboom ein gutes Geschäft.
  3. Die Energiewende ist ein nationales Projekt und braucht den Rückhalt in der Bevölkerung. Auch wenn die Stimmung nach den vergangenen politischen Entscheidungen nicht mehr ganz so gut ist, war das 100.000-Dächer-Programm der KfW-Bank ein entscheidender Schritt der Energiewende. Denn es führte zu einem „Wir“-Gefühl in der Bevölkerung. „Wir sind Energiewende!“ Dieser Schwung war nur mit einer Kleinsttechnologie wie Solar möglich.
  4. Das Strommarktdesign steht in der Revision. In Zukunft wird es sehr viel dezentraler, kleinteiliger und endkundenorientierter sein als heute. Mehr noch als Windkraft kann die Kleintechnologie Solar hier eine zentrale Rolle spielen.

Der deutsche Solarmarkt gab den Impuls für eine weltweite Entwicklung

Solarenergie hat also eine enorme Impulswirkung für die deutsche Energiewende gehabt – und kann dies im Strommarktdesign der Zukunft weiterhin haben. Doch selbst, wenn wir das anerkennen, bleibt richtig: Der Preis, den wir bezahlt haben, war hoch. Und so wird es höchste Zeit, die Technologie stärker dem Wettbewerb auszusetzen. China, Indien und Südafrika machen es vor und produzieren Solarenergie um einiges günstiger als wir – und diese Entwicklung wird durch zunehmend digitale Produktionstechniken zusätzlich gefördert. Das führt zu einer positiven Schleife: Je günstiger die neuen Technologien, desto mehr Kunden und Länder springen auf, und umso günstiger werden wiederum die Technologien.

Aber erinnern wir uns, dass die Ziele der Energiewende nicht nur wirtschaftlicher Natur sind: Für die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten sind der Schutz unserer ökologischen Ressourcen und ein Ende des Raubbaus an unserer eigenen Lebensgrundlage zentral. Unsere Investitionen haben weltweite Impulse gesetzt und mitgeholfen, erneuerbare Energien global zu verbreiten. Je attraktiver diese Technologien auch wirtschaftlich werden, desto einfacher wird es für uns, die Umwelt zu schützen.

Die Autorin:

Dr. Anna PegelsWirtschaftswissenschaftlerin Dr. Anna Pegels arbeitet seit 2008 am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn zu Fragen des internationalen Technologietransfers, der grünen Industriepolitik und Erneuerbarer Energien.

 

 


 

Literatur:

Pegels, A., W. Lütkenhorst (2014): Is Germany’s Energy Transition a case of successful Green Industrial Policy? Contrasting wind and solar PV, in: Energy Policy, DOI: 10.1016/j.enpol.2014.06.031.
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