Die Digitalisierung erfasst jede Branche, auch die Energiebranche. Das ist keine Neuigkeit. 2017 sollen nun Smart Meter großflächig in Deutschland eingebaut werden. Die Idee dazu kam nicht von den Energieversorgern, sondern von der Politik. Für sie spielen Smart Meter eine wichtige Rolle in der Energiewende: Die vernetzten Stromzähler ermitteln Spitzenzeiten im Stromnetz und helfen, Strom aus Windkraft und Sonnenenergie besser in den Strommarkt zu integrieren und damit Erzeugung und Verbrauch besser auf einander abzustimmen.

Der verpflichtende Einbau von Smart Meter erfolgt laut Gesetzentwurf in mehreren Schritten:

  • Ab 2017 sollen innerhalb von acht Jahren alle Messstellen an Zählpunkten mit einem Jahresstromverbrauch über 10.000 Kilowattstunden mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet werden.
  • Ab 2017 sollen alle Messstellen an Zählpunkten mit unterbrechbaren Verbrauchseinrichtungen bei Teilnahme an einem Flexibilitätsmechanismus nach §14a EnWG mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet werden.
  • Ebenfalls ab 2017 sollen innerhalb von 8 Jahren Erzeugungsanlagen (EEG-/KWK-Anlagen) mit einer installierten Leistung > 7 kW mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet werden.
  • Ab 2020 sollen Messstellen mit 6.000 bis 10.000 kWh Jahresstromverbrauch mit einem Smart Meter ausgestattet werden.
  • Verbrauchsgruppen, die weniger als 6.000 kWh aufweisen, sollen optional mit intelligenten Messsysteme ausgestattet werden können.
  • Einfache elektronische Zähler ohne Kommunikationsmodul – vom Gesetzgeber als moderne Messeinrichtungen bezeichnet – sollen bis zum Jahr 2032 bei allen übrigen Zählpunkten eingeführt werden.

Neue Energiedienstleistungen mit Daten aus dem Stromzähler

Ändern können Energieversorger (EVU) und Kunden diese Entscheidungen nicht mehr. Doch sie können das Beste aus ihnen machen. Denn aus Sicht der Kunden können Smart Meter durchaus von Vorteil sein – sofern mit dem Zähler auch attraktive Dienstleistungen ins Haus einziehen.

Derzeit hängen in den meisten Haushalten sogenannte Ferraris-Zähler, benannt nach dem italienischen Ingenieur und Physiker Galileo Ferraris. Diese Stromzähler funktionieren rein mechanisch und geben lediglich zu einer Größe Auskunft: dem Gesamtstromverbrauch seit der Installation. Jährlich muss der Ablesedienst den Zählerstand notieren. Für den Kunden ist sein genauer Stromverbrauch kaum nachvollziehbar:

  • Wann verbrauche ich besonders viel Strom?
  • Welche Geräte sind Stromfresser?
  • Wie wirken sich bestimmte Verhaltensweisen auf den Stromverbrauch aus?

Energiesparen bleibt somit eine Aufgabe mit vielen Unbekannten. Daten und Vergleichswerte fehlen. Der Verbraucher handelt nach Gefühl oder allgemeinen Handlungsempfehlungen. Nachhaltige Verhaltensänderungen sind so mangels Transparenz nur schwer möglich.

Intelligente Stromzähler erfassen, speichern und übertragen sehr viel mehr Verbrauchsdaten. Sie ermöglichen Abrechnungen in wesentlich kürzeren Abständen und somit eine regelmäßige Kontrolle des Stromverbrauchs. Der Kunde kann Einsparpotenziale selbst erkennen und sein Verhalten entsprechend ändern.

Smart Meter: Die neue Macht der Kunden?

Cover Positionspapier: Neue Gestaltungsmacht: Kunden in der Energiewirtschaft

Die neue Entscheidungsmacht des Kunden: Klicken Sie auf das Bild, um das Positionspapier herunterzuladen.

Der große Vorteil intelligenter Stromzähler: Der Verbraucher hat von nun an das Heft in der Hand. Doch dazu braucht der Kunde einen Energiedienstleister, der ihm die Daten möglichst einfach und gut nutzbar zur Verfügung stellt. Denn die Daten werden per Funk, über die Stromleitung oder über das Internet zunächst an den Messstellenbetreiber – in der Regel der örtliche Netzbetreiber – übermittelt. Wer welche Daten dann bekommt, entscheidet der Kunde oder erfolgt auf der Grundlage von gesetzlichen Regelungen.

Das ist zentraler Aspekt von „Smart Metering“: Es bringt ziemlich wenig, einen intelligenten Stromzähler nur zu installieren. Soll er dem Kunden von Vorteil sein, gehört ein Serviceangebot dazu. Dieses kann, muss sich aber nicht allein auf das Stromsparen konzentrieren.

Wer profitiert von Smart Meter?

Studien, etwa jene von Ernst & Young, gehen davon aus, dass sich dank Smart Meter Energie im einstelligen Prozentbereich sparen lässt. Jedoch lohnen sie sich nicht für jeden. Wer ohnehin in einem kleinen Haushalt lebt, wenig Strom verbraucht, stark auf seinen Stromverbrauch achtet, effiziente Geräte einsetzt, nachts den Stand-by-Modus ausschaltet und immer und überall das Licht ausmacht wo es gerade nicht gebraucht wird, der wird finanziell kaum von einem Smart Meter profitieren. Die Kosten übersteigen in diesem Fall die Einsparmöglichkeiten. Der Gesetzgeber erwägt daher, Haushalte mit weniger als 6.000 kWh jährlichem Verbrauch nicht generell zu einem Einbau zu verpflichten.

Vorteile ergeben sich für Haushalte aber durchaus dann, wenn die intelligenten Zähler in ein größeres vernetztes System eingebunden werden. Stichwort: Smart Home.

Smart Meter für Gewerbekunden

Während das finanzielle Einsparpotenzial für Kleinstverbraucher also eher gering ist, können Gewerbekunden deutlich sparen. Vereinfacht lautet die Formel: Je höher der Verbrauch, desto mehr Einsparmöglichkeiten. Bis zu 70 Prozent Ersparnis sind allein bei der Beleuchtung möglich.

Ein mittelständisches Unternehmen kann Smart Metering auch einsetzen, um seine gesamte Energie- und Wasserversorgung messen zu lassen. Neben dem Stromzähler funkt dann auch der Wasser- und Gaszähler sowie die Heizungsanlage die Daten an den Energieversorger. Mit einer entsprechenden Software kann das Unternehmen die Daten selbst analysieren oder analysieren lassen.

Ein mögliches Szenario: Sensoren messen die Temperatur in Relation zur Raumgröße. Halten sich an einem Ort längere Zeit viele Menschen auf, die den Raum aufheizen, wird die Heizung heruntergedreht. So spart das Unternehmen dank Smart Metering Energie und Geld.

Die Sache mit dem Datenschutz

Intelligente Zähler sammeln viele Daten, die sehr genaue Rückschlüsse auf das Verhalten von Kunden erlauben: Wann stehen sie auf, wann schauen sie fern, wann sind sie verreist?

Dieses Wissen ist sowohl die Basis für neue, kundenzentrierte Angebote als auch ein Grund für Unsicherheit. Verbraucherzentraler bezeichnen Datenschutz als „Achillesferse der Smart Meter“. Wer garantiert, dass Dritte Messwerte nicht manipulieren oder Daten missbräuchlich nutzen? Viele Verbraucher sehen Smart Meter deshalb mit großer Skepsis. Ein schlüssiges Datenschutzkonzept muss daher Teil neuer Angebote sein.

Linkliste: Smart Meter

Gesetzentwurf „Digitalisierung der Energiewende”
BMWi: Smart Meter – wozu, wann und für wen?
BMWi: Baustein für die Energiewende: 7 Eckpunkte für das „Verordnungspaket Intelligente Netze”
dena-Smart-Meter-Studie
Deutsche Energie-Agentur: Schwerpunktthema Intelligente Zähler und Messsysteme
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Smart Metering Systems


 

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