E.ON schneidet radikal sein bisheriges Kerngeschäft aus dem Unternehmen. Die Stromerzeugung aus Atom, den fossilen Energieträgern Kohle und Gas, sowie der Energiehandel wird als Konsequenz auf die sich verändernden Markbedingungen ausgelagert.

„Bad Bank“, rufen die einen. Und ja, dieses Abwicklungsgespenst, bei dem die Lasten an Dritte – und das bedeutet auch potentiell: die Steuerzahler – abgegeben werden, wandelt schon seit geraumer Zeit auf den Fluren der großen Energieversorger. E.ON wagt als erster den Schritt, sich radikal vom „alten Geschäft“ zu lösen. „Big Bang“, rufen deshalb die anderen. Einer der Großen traut sich, von seinem Stuhl aufzustehen und der neuen Wirklichkeit gestaltend entgegen zu treten.

Die Beurteilung dieser Entscheidung ist komplex und uneinheitlich. Dana Heide vom Handelsblatt sieht darin vor allem ein Schuldeingeständnis: „Ja, Herr Richter, ich habe die Entwicklung zu spät gesehen. Ja, ich habe ihre Folgen zu lange unterschätzt.“ Bundeswirtschaftsminister Gabriel sieht in der Entscheidung eine „Konsequenz aus völlig veränderten Bedingungen am Energiemarkt“. Michael Bauchmüller von der Süddeutschen unterstreicht die Last der Altlasten, die die neue E.ON-Gesellschaft übernimmt. Die Börse reagiert erst einmal positiv auf die Entscheidung.

Erneuerbare Energie, Netze, Kunden

Aus Unternehmenssicht ist das Loslassen als nicht mehr zukunftsfähig bewerteter Geschäftsfelder durchaus angebracht – gerade in einem Umfeld, wie es die Energiebranche derzeit stellt. Die neuen Schwerpunkte und E.ONs zukünftiges Kerngeschäft sind Erneuerbare Energien, Netze und die Kunden. Und das ist aus momentaner Sicht ein richtiger, weil zukunftsfähiger Fokus! Vorstandschef Johannes Teyssen lässt keinen Zweifel an der „neuen Energiewelt“: Die klar strukturierte Wertschöpfungskette „vom Bohrloch bis zum Kunden“ gäbe es zwar noch, aber sie werde ergänzt durch eine „technisch differenzierte und von individuellen Kundenwünschen geprägte neue Welt“. Dezentral, smart und kundenorientiert – so müssen Energieversorger der Zukunft sein. Die neue Devise: „Empowering customers. Shaping Markets.“ E.ON hat erkannt, wie der Markt sich ändert und reagiert. Und das auch noch mit entsprechender Konsequenz und Weitblick.

Das wird aus E.ON: Eine Grafik von ZEIT/STatista

Das wird aus E.ON: Eine Grafik von ZEIT/Statista

 

Natürlich sind noch nicht alle Fragen geklärt: Noch sind das neue Geschäftsmodell und die neue Kundenorientierung nicht erkennbar. Noch sind die Wirkungen der Abkehr deutscher Energieversorger vom alten Markt für das Gesamtsystem nur theoretisch denkbar. Noch ist unklar, welche Veränderungen in der Unternehmenskultur durch die Zerschlagung notwendig werden. Und noch ist nicht bekannt, wie mit der von der Entscheidung unberührten Unternehmensverantwortung vonseiten E.ONs umgegangen wird. Denn diese besteht, bis der letzte Meiler abgebaut ist. Das werden auch die Kunden, auf die das Unternehmen jetzt richtigerweise setzt, genau beobachten.


 

Foto: EON UK

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