Die RWE AG ist der zweite große deutsche Energiekonzern, der sich mit einer Spaltung Luft verschafft. Zu wenig Entfaltungsraum, zu wenig Freigeist hatte das Geschäft um die dezentral erzeugte, saubere, der Zukunft und der Interaktion zugewandte Energie. Zurück bleibt das alte, schwerfällige, Geschäft mit Energie aus fossilen Energieträgern für die anonyme Masse; ein Auslaufmodell, in neuer Verwendung vielleicht noch eine Sicherheitsreserve.

Der Fokus in den Reaktionen nach der Bekanntmachung ist klar: hier die neuen Hoffnungsträger, dort die Altlasten. Doch daneben ist etwas noch sehr viel bemerkenswerteres geschehen. Die neue Tochtergesellschaft der RWE wird sich ausdrücklich auch auf die dritte der drei Säulen stützen: Erneuerbare Energieträger, Netze und Kunden.

Die Bedürfnisse der neuen Energiewelt: dezentral und nah am Kunden

RWE schreibt dazu in einer Pressemeldung, dass die neue Gesellschaft mit 23 Millionen Kunden in zwölf europäischen Märkten „zu den Schrittmachern innovativer Kundenlösungen zählen (wird)“.

Ihr Vorstandsvorsitzender Peter Terium erklärt die Neufokussierung mit der neuen Dynamik eines Unternehmens, „das näher an seine Kunden herangerückt ist. Wir gehen nun den nächsten logischen Schritt in unserem Transformationsprozess: Wir schaffen mit dem neuen Unternehmen eines der führenden innovativen Energieunternehmen Europas mit hoher Expertise im Management dezentraler Energiesysteme. In der neuen Struktur werden wir gleichermaßen unserer Verantwortung in der klassischen Energiewelt und den Bedürfnissen der Energiewelt von Morgen gerecht.“

Die Spaltung der RWE AG, sollte sie in allen erforderlichen Gremien bewilligt werden, ist jedoch nicht nur der nächste logische Schritt eines EVU, das sich wie kein anderes in den vergangenen Jahren in neuen Geschäfts- und Interaktionsmodellen mit seinen Kunden ausprobiert hat. Sie ist ein Befreiungsschlag, der eine neue, offene, agilere Unternehmenskultur und damit dringend nötige Innovationen zulässt.

Interessante Randnotiz: Digitalisierung und Kundenfokus, ganz nah beieinander

Am Abend vor der Bekanntmachung lud die RWE Effizienz GmbH übrigens zum Forum Energieeffizienz, auf dem ihr Vorsitzender Dr. Dietrich Gemmel sagte: „Die Digitalisierung hat einen immer größeren Anteil an unseren Innovationen. Das beste Beispiel bietet die Energieversorgung: Sie findet mehr und mehr dezentral sowie IT-gesteuert statt.“

Sicherlich ist dies lediglich eine Anekdote, jedoch eine symbolträchtige. Denn der „entscheidende Hebel für die Zukunftsfähigkeit von EVU liegt nicht allein in der Umstellung auf erneuerbare Energieträger, sondern darin, den Kunden mit all seinen Bedürfnissen und die Digitalisierung mit all ihren Möglichkeiten ins Zentrum von Geschäftsmodellen und Produktdesign zu stellen.“ Dieses letzte Zitat kommt nicht vom RWE-Vorstand, sondern direkt aus unserem aktuellen Positionspapier.

Schauen Sie einmal rein!

Cover Positionspapier: Neue Gestaltungsmacht: Kunden in der Energiewirtschaft